Emanzipation aktuell > 16.VIII.2009 -  Alarmierende Studie

16.VIII.2009 -  Alarmierende Studie

"Kündigung klaut Kinderwunsch" - Jobverlust beeinflußt bei Karrierefrauen Familienplanung negativ! - Keine Frauen mehr kündigen!

Die Gesellschaft braucht Kinder ja, um die Renten zu finanzieren. Indem Unternehmen gutausgebildete Frauen kündigen, gefährden sie also unser aller Pension! Dies ergibt eine neue österreichische Studie.

Gutausgebildete Frauen tendieren nach einer Kündigung dazu, ihren
Kinderwunsch nicht zu realisieren. Zu diesem klaren Ergebnis kommt eine großangelegte und vom Wissenschaftsfonds FWF unterstützte Studie an der
Universität Linz. Dieser zufolge beeinflussen Überlegungen zur
Karriereentwicklung nach einer Kündigung Frauen nachhaltig in ihrer
Lebensplanung. Darüber hinaus weist die Studie auf weitere sozioökonomische
Zusammenhänge hin, die mitunter langfristig die Geburtenzahlen beeinflussen.

Dass Kündigungen einen Einfluß auf das Einkommen der Betroffenen haben können, ist naheliegend, daß sie mitunter eine ganze Lebensplanung ins
Wanken bringen, schon weniger. Prof. Rudolf Winter-Ebmer vom Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Linz zeigt gemeinsam mit seinen KollegInnen jedoch genau das. Denn Kündigungen veranlassen vor allem gutausgebildete Frauen dazu, sich gegen Kinder zu entscheiden.

RISIKOFAKTOREN: BILDUNG & GEHALTSANSTIEG

Im Detail zeigt die vorliegende Studie für Österreich einen signifikanten Einfluß von Arbeitsplatzverlust auf die Geburtenzahl. Diese geht, je nach verwendeter statistischer Analysemethode, um 5 bis 10 Prozent zurück - und das langfristig. Dazu Prof. Winter-Ebmer: "Wir konnten diesen Effekt sogar noch neun Jahre nach der Kündigung nachweisen und können auch Risikogruppen identifizieren. Frauengruppen also, die besonders stark dazu neigen nach
einer Kündigung vorerst keine Kinder zu bekommen. Dazu zählen unter anderem gutausgebildete und zum Zeitpunkt der Kündigung noch kinderlose Frauen."

Eine weitere in diesem Zusammenhang besonders auffällige Gruppe umfaßt gekündigte Frauen, die bei ihrem letzten Arbeitgeber besonders hohe Gehaltszuwächse erzielen konnten. In dieser Gruppe gab es, verglichen mit beschäftigten Frauen, um etwa 25 Prozent weniger Geburten - und das über einen Zeitraum von sechs Jahren. Somit scheinen vor allem Frauen, deren Karrieren sich erfolgreich entwickelt haben, von Kündigungen massiv in ihrer
Lebensplanung beeinflußt zu werden.

DER SCHOCK SITZT TIEF

"Man könnte meinen, daß Frauen aufgrund des Schocks über den Arbeitsplatzverlust ihren Kinderwunsch aufschieben. Jedoch zeigt sich, daß in vielen Fällen aufgeschoben auch aufgehoben ist. Tatsächlich scheint die Fertilität insgesamt zurückzugehen", ergänzt Prof. Winter-Ebmer.

Die drei Gs: GEBURTEN, GEHALT, GESELLSCHAFT

In die statistischen Berechnungen gingen Informationen mehrerer hunderttausend Frauen ein, die in den 1990er-Jahren einer unselbstständigen Beschäftigung nachgingen und von denen mehrere tausend ihren Job aufgrund eines Firmenkonkurses verloren haben. Diese Daten wurden vom Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger zur Verfügung gestellt.

"Statistische Zwillinge" gebildet, um irgendwie einen Vergleich darstellen zu können

Mithilfe der sogenannten "matching"-Methode haben die WissenschafterInnen "statistische Zwillinge" gebildet. Diese Zwillingspaare glichen sich in allen beobachtbaren Faktoren. Der einzige Unterschied: Ein Zwilling war von einem Konkurs betroffen, der andere nicht.

Mit der statistischen Auswertung dieser umfassenden Daten konnte nun erstmals ein Zusammenhang zwischen Kündigungen und Geburtenrückgängen über lange Zeiträume hinweg gezeigt werden. Prof. Winter-Ebmer ergänzt: "Ein unerwarteter Arbeitsplatzverlust kann nicht nur langfristige Einkommensverluste und längere Arbeitslosigkeitsepisoden nach sich ziehen, er kann auch die Lebensplanung verändern: Die Geburtenzahl wird insbesondere
bei karriereorientierten Frauen langfristig zurückgehen.

Atypische Beschäftigungsformen und Zeitverträge sind in diesem Zusammenhang als
problematisch anzusehen, weil sich Frauen so nicht auf einen stabilen Karrierepfad in einer Firma einstellen können."

Die vom FWF unterstützte und bereits auf vielen internationalen Konferenzen zur Diskussion gestellte Studie erbringt damit nicht nur spannende Erkenntnisse über Effekte von Konkursen, sondern kann auch eine Prognose über die Fertilitätsentwicklung im Verlauf der derzeitigen Wirtschaftskrise geben.

Fazit:

Keine Frauen mehr kündigen. Nicht die angebliche Karrieresucht der (emanzipierten) Frauen ist zu kritisieren, sondern die Wurzel des Übels liegt bei den (meist männlichen) Vorgesetzten, die durch Kündigung die Karriere einer emanzipierten Frau zunichtemachen und so der Gesellschaft die Kinder rauben.

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October 18. 2017 00:14:45


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